Chronik

Die Freiwillige Feuerwehr Neusäß – Stationen der Geschichte

 

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1875-1945: Von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

 

Am 14. Februar 1875 kamen 19 Männer zusammen und gründeten die Freiwillige Feuerwehr Neusäß. Die Gemeinde erklärte sich gegenüber der jungen Wehr sofort bereit, eine entsprechende Ausrüstung für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben zur Verfügung zu stellen, und im Mai desselben Jahres fand die erste richtige Feuerwehrübung statt. Für das Jahr 1887 sind erstmals auch Einsätze der Neusässer Feuerwehr nachweisbar, als sie in den Nachbarorten Schlipsheim und Westheim bei Großbränden zu Hilfe eilten. Der größte Einsatz in Neusäß vor dem Ersten Weltkrieg war der Brand des Gasthofes Schuster im Jahr 1911. Das Feuer, durch einen Blitzeinschlag ausgelöst, konnte zwar mit der Unterstützung der Wehren aus Täfertingen, Kriegshaber, Ottmarshausen und Hammel gelöscht werden, das Wirtshaus wurde aber weitestgehend ein Opfer der Flammen. Es wurde später auf der gegenüberliegenden Straßenseite neu errichtet. Das Wasser für den Einsatz lieferte der 1952 zugeschüttete Dorfweiher an der heutigen Remboldstraße.

 

Im Jahr 1914 war die Mitgliederzahl auf 24 aktive Feuerwehrmänner angewachsen. Mit dem Ausbruch des Krieges rückten aber zehn Neusässer Brandbekämpfer zum Heere ein, weitere folgten. Bis zum Ende des Jahres 1916 waren bereits drei davon gefallen. So erging es den meisten Wehren. Nach dem Krieg füllten die heimgekehrten Soldaten die lichten Reihen der Feuerwehren wieder auf, und in den 1920er Jahren war die Freiwillige Feuerwehr Neusäß ein bedeutender Faktor im gesellschaftlichen Leben der Kommune. Auch die Ausrüstung der Wehr konnte aufgebessert werden: Die Mannschaft erhielt auf der Basis eines extra dafür angelegten Fonds einheitliche Uniformen, zudem wurden Gasmasken und eine mechanische Schubleiter angeschafft.

 

Das 50. Gründungsjubiläum konnte mit einem Gartenfest sowie einem Feuerwerk am 19. Juli 1925 begangen werden. 1927 erhielt die Mannschaft ihre erste moderne Motorspritze mit einer Pumpleistung von 800 Litern pro Minute, für welche die Gemeinde Neusäß 5000 Mark aufbrachte. Im Jahr 1933 war die Zahl der aktiven Wehrleute auf 39 angewachsen. Eine eigens gegründete Sportabteilung der Feuerwehr bedeutete die Geburtsstunde des TSV Neusäß.

 

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfasste auch die Gleichschaltung der Gesellschaft die Feuerwehrvereine. Der damalige Kommandant der Neusässer Wehr, Isidor Stegmiller, trat daraufhin zurück. Wie alle Gesellschaftsschichten und Vereine wurde auch die Neusässer Wehr umgekrempelt. Waren bisher vier Übungstermine pro Kalenderjahr angesetzt, so wurde deren Zahl nun stark erhöht. Zudem verlor die Neusässer Feuerwehr ihren Status als selbst verwaltete Körperschaft und sie wurde offiziell Bestandteil der deutschen Polizei. Zwei Einsätze der Neusässer Feuerwehrmänner stechen in dieser Zeit besonders hervor: Am 17. November 1935 gab es einen Großbrand in den Industriewerken Lohwald, und am 29. Januar 1940 brach in der katholischen Notkirche ein Feuer aus. Beide Male konnte die Neusässer Wehr erfolgreich eingreifen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lichtete die Reihen der Feuerwehrmänner merklich. Die Lücke schlossen vor allem Hitlerjungen und sogenannte Notverpflichtete.

 

chronik-6chronik-3Seit 1945: Auf dem Weg zur modernen Stützpunktfeuerwehr

 

Nach einem zähen und harten Neubeginn in den Nachkriegsjahren konnte sich die Neusässer Feuerwehr bald konsolidieren. In den folgenden Jahrzehnten fand ein rasanter Wandel des Feuerwehrwesens in Neusäß statt. Die kleine, nicht-motorisierte Dorffeuerwehr entwickelte sich zur Stützpunktfeuerwehr. 1963 wurde das erste Löschfahrzeug in Alt-Neusäß in Dienst gestellt, 1967 folgte ein Tanklöschfahrzeug und 1973 ein erstes Einsatzleitfahrzeug in Form eines VW-Busses. 1979 kam ein Rüstwagen (RW2) und 1981 eine Drehleiter (DLK 23-12) hinzu. Mit einem weiteren VW-Bus als Mehrzweckfahrzeug wurde 1984 der Fuhrpark auf sechs Fahrzeuge erweitert. In dasselbe Jahr fällt auch die Einweihung des neu gebauten und heute nach wie vor genutzten Feuerwehrgerätehauses an der Ortliebstraße. Vorher war die Neusässer Wehr bis 1967 an der Remboldstraße stationiert, danach im alten Bauhof an der Daimlerstraße.

1988 wurden die beiden Löschfahrzeuge (TLF 16 und LF 16) durch Neuanschaffungen ersetzt. Im Jahr 1998 stellte der Bund ein Löschfahrzeug vom Typus LF16 TS zur Verfügung, zudem erfolgte in diesem Jahr der Umbau des Feuerwehrhauses, durch dessen Erweiterung die Freiwillige Feuerwehr Neusäß seitdem über neun Fahrzeugstellplätze verfügt.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends konnte das Jubiläum 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Neusäß feierlich begangen werden. Im Rahmen des großen Festes wurde auch die Fahrzeugweihe an der neuen Drehleiter vollzogen. 2001 erhielt die Neusässer Stützpunktwehr das Katastrophenschutzfahrzeug Dekon-P. Im Jahr 2006 wurde das knapp 20 Jahre alte Löschfahrzeug TLF 16 durch das moderne Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF 20/16 ersetzt. Zwei Jahre später gab es weitere Neuerungen im Fuhrpark: Einerseits wurde das Löschgruppenfahrzeug LF 20/16 angeschafft, andererseits konnte in Eigenregie das ältere Löschfahrzeug LF 16 zum sogenannten Gerätewagen Umweltschutz umgebaut und umgerüstet werden.

2011 wurde die Wohnung, die sich im Feuerwehrhaus befand, in einen Aufenthaltsraum für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr umgebaut. Des Weiteren konnte das alte Einsatzleitfahrzeug durch ein modernsten Ansprüchen genügendes Fahrzeug ersetzt werden. 2012 erfolgte die bis heute letzte Fuhrparkmodernisierung, indem der Bund als Ersatz für das Löschfahrzeug LF 16 TS das neue LF Kats zur Verfügung stellte.

 

Die stets moderne Ausrüstung benötigt entsprechende Fachkräfte, um sie wirkungsvoll einzusetzen. Bereits ab der Jugendfeuerwehr wird jedes Mitglied entsprechend aus- und weitergebildet. Nur so kann der fachmännische Umgang mit speziellen Geräten für Chemieschutz, Strahlenschutz, Höhenrettung oder Ölwehr gewährleistet werden. Aufgrund ihrer Vielfältigkeit steht die Neusässer Feuerwehr auch immer öfter den Wehren aus angrenzenden Städten und Kommunen unterstützend zur Seite.

 

Neben ihren originären Aufgaben zeigte die Neusässer Wehr seit Beginn des Vereinsbestehens stets ein großes Pensum an Einsatz in weiteren gesellschaftlichen Belangen. So unterstützten ihre Mitglieder zum Beispiel tatkräftig die Restaurierung der Neusässer Ägidiuskapelle. Darüber hinaus wären viele Großveranstaltungen in Neusäß ohne die durch die Feuerwehr geleistete Straßenabsicherung nicht möglich gewesen. Stets war bei den Mitgliedern der Neusässer Feuerwehr die Bereitschaft vorhanden, sich gesellschaftlich zu engagieren.

 

In den vergangenen 140 Jahren hat sich die Freiwillige Feuerwehr Neusäß zu einem äußerst wichtigen gesellschaftlichen Faktor in der Stadt Neusäß entwickelt. Die Arbeit, welche die Wehr leistet, ist seit jeher unverzichtbar für die Kommune. Mit ihrem hohen Grad an technischem Know-How und der entsprechenden modernen Ausrüstung wird sie auch in Zukunft für die gewohnte Sicherheit sowie für die Qualität ihrer Arbeit garantieren können.